Pause. Oder auch: „Es passt nicht mehr ganz“

Claudia Schuberth hilft Inhabern im Mittelstand zur Reflexion

Mir fällt in letzter Zeit auf, dass viele Gespräche mit Inhabern und Unternehmerinnen an einem sehr ähnlichen Punkt beginnen, auch wenn die Firmen auf den ersten Blick nichts unmittelbar miteinander zu tun haben.
Es ist fast nie so, dass jemand kommt, weil etwas überhaupt nicht funktioniert. Meistens ist eher das Gegenteil der Fall. Die Dinge laufen schon irgendwie okay, es gibt Entwicklung, manchmal sogar eine gewisse Dynamik, Entscheidungen sind getroffen oder stehen zumindest greifbar im Raum. Und trotzdem gibt es diesen Moment, den alle fühlen. Am Anfang selten und dann durch Artikel, Konflikte und sich verselbstständigenden Gedanken immer mehr. So ein bisschen wie ein feines Stolpern.

„Es passt nicht mehr ganz.“ oder
„Man merkt, dass das, was man bisher gedacht hat, nicht mehr ganz stimmig ist — aber Du kannst noch nicht genau greifen, woran es liegt.“

Ein Mandant erzählt mir von einer Entscheidung, die eigentlich längst hätte fallen können und sich dennoch zieht. Und irgendwie nicht flutschen will.

„Ich muss entscheiden, aber es ist nicht klar. … da stehst’ vor einer Entscheidung, die sich nicht rein rational lösen lässt — und merkst, dass dir eine andere Form von Deutlichkeit fehlt.“

Eine Kundin bringt mehrere Themen mit, die sich zunächst wie lose Fäden anfühlen und sich im Gespräch dann überraschend zu einem ganz klaren knallrotem Muster verbinden.

„Ich drehe mich im Kreis.“ und erklärt „Ich bewege Themen immer wieder — Entscheidungen, Ausrichtung, System, Struktur, Wirkung — aber ich komm nicht wirklich weiter. Die Leute verstehen mich nicht. Oder schon aber nicht so wie ich es brauche.“

Und manchmal ist es nur dieses schwer zu beschreibende Empfinden, dass das, was nach außen sichtbar ist, nicht mehr ganz mit dem übereinstimmt, was sich innerlich längst verändert hat.

„Außen und innen stimmen nicht mehr überein.“
„Dein Außenauftritt, deine Marke oder Kommunikation vermitteln nicht mehr das, was du innerlich längst weiterentwickelt hast.“

Ich liebe diese Momente. Alle. Und die Unternehmen gleich mit. Vielleicht gerade, weil sie sich nicht sofort greifen lassen und ich sie trotzdem ganz klar sehen kann.

Meine Gegenüber spüren Druck, haben das Hamsterradgefühl und kommen zu mir mit "ahhhrrr. Es kommt gerade wieder alles ganz blöd zusammen"-Aussagen. Der Alltag ist schneller, die nächsten Schritte drängen nach vorne und alle wollen was von ihnen. Am liebsten Entscheidungen. Oder lieber doch nicht. Lieber Freiheit. Aber ohne Verantwortung.

„Es ist zu viel gleichzeitig.“
„Es bewegt sich viel gleichzeitig — und du merkst, dass dir ein klarer Blick von außen fehlt, um das Ganze zu ordnen.“

Meine Kunden sind Experten. Und vieles lässt sich pragmatisch lösen. Sie kennen diese Phasen und auch die Spielchen. Und gleichzeitig bleibt da etwas, das sich nicht ganz einordnet. Man geht darüber hinweg, kommt später wieder darauf zurück, verrückt es noch einmal.

Ich habe den Eindruck, dass viele diese Schleifen eine Zeit lang ganz selbstverständlich drehen. Man denkt es weiter, spricht mit Menschen, probiert Dinge aus. Und oft ist das auch genau richtig so. Bis zu dem Punkt, an dem sich zeigt, dass sich etwas nicht mehr allein sortieren lässt.
Und dort beginnt meine Arbeit.

Ich höre zu und sofort bildet sich ein Bild. Dann sortieren wir. Arbeiten an einem Plan. Malen auf. Atmen auf.
Weil ich dafür sorge, dass Inhaber und Inhaberinnen für sich ihre Perspektive wechseln können und einen weiteren Blick bekommen. Sie gehen dann mit Ruhe und diesem zuckersüßen Gefühl der Inspiration wieder zurück in den Alltag.
Ich erlebe diese Konstellation so regelmäßig, dass sie sich nicht wie ein Zufall anfühlt. Eher wie ein Abschnitt, durch den man irgendwann kommt, wenn sich Dinge wirklich bewegen.
Und vielleicht ist genau das der Moment, den ich an meiner Arbeit am meisten mag und sehe wie ich den Menschen und auch den Unternehmen mit meiner Sicht wirklich wirklich helfen kann.

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Standard. Warum er ordnet. Und Unternehmen normaler macht als sie sind.