Formfrage. Gedanken kann man anfassen.

Wenn sich eine unternehmerische Persönlichkeit neu orientieren will oder muss, ist das immer ein ziemlicher Kraftakt. Zweifel, Wünsche, Biografie, Träume und Ängste treffen sich an einem Tisch und verhandeln wild miteinander. Die Vorstellungskraft steht derweil an der Tür und wartet, bis alle mal leise sind, damit sie sich zeigen kann.

Bei KU nimmt man diese Phase ernst und gibt ihr Raum. Wer mehr darüber wissen möchte, klickt am besten hier: https://www.kreatives-unternehmertum.com/programme/ku-orientierungs-jahr

Die Teilnehmenden des Orientierungs-Programms kennen dieses Gefühl ganz genau: Es ist unglaublich viel da. Eine Idee, eine Ahnung von der Richtung, vielleicht sogar ein ziemlich klares Bild davon, worum es im Kern geht. Nur lässt es sich nicht greifen.

Die Gedanken hängen als lose Fäden im Kopf, verbinden sich kurz und lösen sich gleich wieder voneinander, kaum dass man sich einmal mit dem Alltag beschäftigt hat. Also wird weitergedacht, besprochen, notiert und sortiert. Meistens in der Hoffnung, dass noch ein weiterer kluger Satz endlich Klarheit bringt.

Unsere Sinne können dabei fantastische Berater sein

Für die Teilnehmenden des KU Orientierungs-Programms habe ich einen Ästhetik-Workshop angeboten. Wir haben die Gedanken nicht weiter analysiert, sondern ihnen Farbe, Material, Raum und Form gegeben. Aus abstrakten Kernanliegen wurden Anordnungen aus Papier, Stoff, Linien und Modelliermasse.

Und was dabei passierte, war wie immer berührend. Auf allen Ebenen.

Bitte nicht erklären

Am Anfang stand eine scheinbar einfache Frage: Wer bin ich, und wie viel Raum brauche ich?

Die Antwort wurde allerdings nicht ausgesprochen. Jede Person markierte mit Klebeband einen eigenen Tanzbereich, ihr eigenes Königreich, ihren Safe Space auf dem Boden. Manche Räume waren großzügig, andere vorsichtig gesetzt, einige klar begrenzt, andere fast offen. Noch bevor irgendjemand etwas erklärt hatte, war eine erste Position sichtbar geworden.

Danach kamen Farben, Texturen und Materialien hinzu. Nicht nach dem Prinzip Lieblingsfarbe und auch nicht mit der Frage, was eine bestimmte Farbe wohl bedeuten könnte. Entscheidend war allein, was die jeweilige Persönlichkeit anzog, abstieß oder sich auf eine schwer erklärbare Weise richtig anfühlte.

Welche Form gehört zu meinem Anliegen? Wie möchte ich berühren? Was braucht Weichheit, was Widerstand – und was vielleicht einfach sehr viel mehr Platz?

Später entstanden Muster und Formen. Die Hände arbeiteten, bevor der Kopf eine vernünftige Begründung liefern konnte. Es wurde geordnet, verdichtet, auseinandergezogen, verbunden und wieder verworfen. Schritt für Schritt entwickelte sich eine eigene kleine Welt, in der etwas zu sehen war, das vorher nur als diffuse Vorstellung existiert hatte.

 
 

Plötzlich liegt es da

Das Erstaunliche war nicht, dass dabei schöne Objekte entstanden. Darum ging es überhaupt nicht. Erstaunlich war, wie präzise diese Kompositionen wurden.

Ein Gedanke im Kopf kann alles gleichzeitig sein. Groß und klein, mutig und vorsichtig, offen und geschützt. Er kann sich verändern, sobald eine Entscheidung unangenehm wird, und bleibt dadurch wunderbar beweglich. Sobald er jedoch als Objekt im Raum liegt, bekommt er Proportionen. Er hat eine Grenze, eine Oberfläche und ein Verhältnis zu allem, was ihn umgibt.

Plötzlich konnte man sehen, dass ein vermeintlich zentrales Element ganz am Rand lag. Dass eine Idee Schutz brauchte, obwohl sie sprachlich immer als Aufbruch beschrieben worden war. Dass etwas Leichtes von sehr viel Struktur zusammengedrückt wurde. Oder dass jemand dem eigenen Anliegen auf dem Boden deutlich weniger Raum gegeben hatte, als er oder sie sich eigentlich zugestand.

Die Objekte haben nichts vorhergesagt und keine fertigen Antworten geliefert. Sie haben etwas viel Hilfreicheres getan: Sie haben Widersprüche sichtbar gemacht. Und Zusammenhänge.

Aus den losen Elementen wurde eine Anordnung, die man betrachten, verändern und schließlich auch benennen konnte.

Ästhetik ist nicht das Hübsch machen danach

Zum Abschluss gingen wir gemeinsam durch die entstandenen Räume. Die Teilnehmenden beschrieben, was sie wahrnahmen, ohne die Arbeiten sofort zu interpretieren.

Was sehe ich wirklich, wirklich?

In diesem Resonanzraum verdichtete sich vieles noch einmal. Das eigene Anliegen begegnete der Wahrnehmung anderer und wurde dadurch konkreter.

Am Ende dieser Formate, die ich inzwischen schon häufiger durchführen durfte, hat sich die Atmosphäre verändert. Es entsteht ein herrlicher Cocktail aus Faszination über die eigene Größe, einer Zuversicht, die voller Verheißung strahlt, positiver Erschöpfung und tiefer Wertschätzung füreinander. Weil alle nun wissen, wie es sich anfühlt, auf diese Weise mit sich selbst zu arbeiten.

Und dann blicke ich dankbar auf meine Farben und Formen, meine Utensilien und schönen Dinge, weil sie mir wieder einmal bewiesen haben, welche Kraft Ästhetik besitzt. Und wie verlässlich solche Workshops zu Klarheit führen können.

Farbe, Material, Form und Raum machen etwas zugänglich, das sich der Sprache zunächst entzieht. Sie holen Gedanken aus dem Kopf, ohne sie zu vereinfachen.

Und sie tun so gut.

Kurz gesagt: Klarheit zeigt sich mit einem Stück Stoff, einer glänzenden, knallroten Farbe oder einem Klumpen Ton in einer so rasanten Geschwindigkeit und überraschenden Leichtigkeit.

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Stolz. Wenn etwas gelingt.